ARTIKELSERIE · Teil 1 · Persönlicher Einstieg

„Dann kann ich es“ – Fast zwanzig Jahre Webentwicklung im Wandel

Von der Fotogalerie zum Beruf: Thomas Peter Kemendi über fast 20 Jahre Webentwicklung, neue Werkzeuge und langjährige Kundenbeziehungen.

Redaktionelle Illustration: von den Anfängen der Webgestaltung zur heutigen Entwicklungsumgebung.
Redaktionelle Illustration: von den Anfängen der Webgestaltung zur heutigen Entwicklungsumgebung.
In diesem Beitrag
  1. 01Eine Website für unsere Freunde
  2. 02„Ach so, dann kann ich das.“
  3. 03Als sich noch alles bewegte
  4. 04Auch ich musste weiterlernen
  5. 05Was mir immer wichtig war
  6. 06Die Kunden, die mich seit Jahren begleiten
  7. 07Und nun verändert sich wieder etwas

Informatik hat mich schon als Kind interessiert. Mit zwölf übertrug ich Klingeltöne von einem Telefon auf andere Geräte: Ich lernte, die Codes zu lesen, und tippte sie ein, damit dort dieselbe Melodie erklang. Auf meine Weise fühlte sich das damals schon wie Programmieren an. Später bastelte ich an Computern, installierte Windows neu und baute Rechner auseinander und wieder zusammen. Zunächst dachte ich, dass ich vielleicht einmal in der Systemadministration arbeiten würde.

Nokia 3310 mit Klingelton-Editor und handschriftlichen Notencodes.
Klingeltöne, eingetippte Codes und die ersten Versuche. KI-generierte Illustration, keine historische Aufnahme.

Eine Website für unsere Freunde

Zum Web kam ich auf einem anderen Weg. Mit sechzehn war ich oft mit meinen Freunden unterwegs, meist in einer großen Gruppe. Dabei entstanden viele Fotos. Wir wollten einen Ort, an dem alle sie ansehen konnten, also begann ich, meine erste Website zu bauen.

Das war in der Zeit von Microsoft FrontPage, Expression Web und Adobe Dreamweaver. Ich lud die Bilder einzeln hoch und verlinkte jedes von ihnen. Heute klingt das ziemlich umständlich, damals gehörte es einfach dazu, eine eigene Seite zu haben. Währenddessen wollte ich immer genauer verstehen, wie das alles funktionierte. Auch wenn etwas mehrere Versuche brauchte, beschäftigte ich mich gern damit.

„Ach so, dann kann ich das.“

Als ich neunzehn war, erzählte mir ein Bekannter, dass er eine Website für seine Firma haben wollte und jemanden suchte, der sie erstellen könnte. Er fragte, ob ich mich damit auskenne oder jemanden empfehlen könne. Ungefähr fünfzigtausend Forint könne er dafür bezahlen. Darauf antwortete ich spontan: „Ach so, dann kann ich das.“

Darüber muss ich noch heute lächeln. Ich hatte mich bereits an Websites versucht, aber eine Firmenseite war doch etwas anderes als die Fotos unserer Freunde hochzuladen. Die Begeisterung war da; was mir an Wissen fehlte, musste ich mir unterwegs aneignen.

Die ersten Schwierigkeiten ließen nicht lange auf sich warten. Ich musste ein Hosting auswählen, eine Domain registrieren — das erledigten wir damals noch auf Papier — und besprechen, wie die Seite genau werden sollte. Das lernte ich genauso wie das Erstellen der Website: nachlesen, ausprobieren und verbessern, was nicht gelungen war. Nun wartete jemand anderes auf meine Arbeit, und ich wollte sie gut machen.

Als sich noch alles bewegte

Das Web hatte damals einen ganz anderen Charakter. Kräftige Farben, bewegte Schrift und Flash-Animationen füllten die Seiten, manchmal spielte sogar Musik im Hintergrund. Wir probierten gern aus, was die Werkzeuge konnten. Schon ein gelungener Effekt war etwas Aufregendes.

Nostalgische Website mit Chrom-Menüs, Besucherzähler und Gästebuch in einem alten Browserfenster.
Glänzende Schaltflächen, animierte Intros, Hintergrundmusik — eine andere Web-Ära. KI-generierte Illustration, keine archivierte Website.

Mit der Zeit wurde wichtiger, dass Besucher schnell fanden, was sie suchten, nicht auf das Laden warten mussten und eine Seite auch auf dem Telefon bequem nutzen konnten. Die Betreiber wollten ihre Inhalte selbst bearbeiten. So bekamen Websites auf Basis von Joomla und WordPress immer mehr Raum in meiner Arbeit.

Später kamen Onlineshops, Buchungssysteme und individuelle Unternehmenssoftware hinzu. Dabei musste ich Berechtigungen, Datenverbindungen und ganze Abläufe durchdenken. Eine verlorene Bestellung oder eine fehlerhafte Buchung hat reale Folgen. Deshalb musste ich auch immer besser verstehen, wie meine Kunden arbeiteten.

Eine Buchungsoberfläche sieht zunächst vielleicht nach ein paar Feldern und einem Kalender aus. Im Hintergrund muss aber geklärt sein, was passiert, wenn zwei Personen gleichzeitig denselben Termin wählen, eine Zahlung scheitert oder ein Kunde später etwas ändern möchte. An solchen Fragen zeigt sich, wie gründlich ein System durchdacht ist. Auch wenn eine Oberfläche einfach aussieht, muss das System dahinter sorgfältig geplant werden.

Auch ich musste weiterlernen

Mit dem Web veränderten sich die Werkzeuge, und ich musste immer wieder neue kennenlernen. Mehrmals hörten wir auch, dass Entwickler bald nicht mehr gebraucht würden: Erst versprachen Vorlagen, später visuelle Seiteneditoren, dass jeder seine Website selbst erstellen könne. Viele Aufgaben wurden tatsächlich einfacher, während die Anliegen der Kunden anspruchsvoller wurden.

Systeme mussten verbunden, individuelle Abläufe umgesetzt oder Lösungen erweitert werden, aus denen ein Unternehmen herausgewachsen war. Dafür brauchte ich neue Werkzeuge und musste mich manchmal von vertrauten Lösungen verabschieden. Wieder Anfänger in etwas zu sein, fiel nicht immer leicht. Die Erfahrung blieb trotzdem nützlich: Ich erkannte eher, welche Fragen zu stellen waren und wo später Schwierigkeiten entstehen konnten.

Heute berücksichtige ich bei der Technologiewahl auch die spätere Wartung und Erweiterung. Eine bewährte Lösung ist oft wertvoller als eine Neuheit, für die sich später kaum Fachleute finden lassen. Der Code und die Gründe für wichtige Entscheidungen sollten auch nach Jahren verständlich sein, damit bei Bedarf ein anderer Entwickler die Arbeit übernehmen kann.

Auch Tests, Sicherheit und Backups dürfen nicht bis zum letzten Tag vor der Übergabe warten. Zur Planung gehört, wer auf Daten zugreifen darf, wie wir wichtige Abläufe prüfen und wie sich das System nach einem Ausfall wiederherstellen lässt. Im besten Fall bemerkt der Kunde wenig davon. Sein täglicher Betrieb hängt dennoch auch daran.

Was mir immer wichtig war

Ich habe immer versucht, offen mit meinen Kunden zu sprechen. Wenn ich eine bessere Lösung für einen Wunsch sah, sagte ich das, auch wenn es bequemer gewesen wäre, die Anfrage einfach umzusetzen. An etwas zu arbeiten, das ich selbst nicht für wirklich hilfreich halte, würde mir schwerfallen.

Dafür muss ich zunächst verstehen, was gebraucht wird. Der Kunde kennt sein Unternehmen, ich bringe meine Entwicklungserfahrung ein. Manchmal hilft eine neue Funktion, manchmal sollte man zuerst einen bestehenden Ablauf vereinfachen. Das denke ich gern gemeinsam durch, bevor wir mit der Arbeit beginnen.

Ich behandle jedes Projekt, als wäre es mein eigenes. Es soll funktionieren, dem Kunden den Alltag erleichtern und eine Grundlage für weitere Vorhaben sein. Manchmal schlage ich deshalb eine kleinere erste Version vor: Wir setzen gut um, was jetzt gebraucht wird, und entscheiden anhand der tatsächlichen Nutzung über den nächsten Schritt. So sinkt das Risiko, Zeit und Geld in etwas zu investieren, das später niemand verwendet.

Die Kunden, die mich seit Jahren begleiten

Mit manchen Kunden arbeite ich seit sieben, acht oder sogar zehn Jahren zusammen. Darauf bin ich besonders stolz. In dieser Zeit verändert sich viel, im Unternehmen ebenso wie im eigenen Leben. Es gab schwierige Übergangsphasen, in denen wir uns gegenseitig unterstützt haben. Diese Jahre bedeuten mir auch menschlich viel.

Offenes Notizbuch mit Website-Skizzen und zwei Kaffeetassen auf einem Arbeitstisch.
Neue Pläne am gemeinsamen Tisch. KI-generierte Illustration.

Mit einem langjährigen Kunden muss ich nicht jedes Mal bei null anfangen. Ich kenne sein System und die Gründe für frühere Entscheidungen. Er weiß wiederum, dass ich anspreche, wenn ich anderer Meinung bin. So an die nächste Aufgabe heranzugehen und zu sehen, dass unsere gemeinsame Arbeit weiter zum Unternehmen gehört, ist ein gutes Gefühl.

Und nun verändert sich wieder etwas

Ein Satz begleitet mich seit Langem: „Everything is possible. The impossible just takes longer.“ Alles ist möglich, das Unmögliche dauert nur etwas länger. Diese Haltung hat mir in der Arbeit und im Leben oft geholfen. Ich finde gern heraus, wie sich etwas lösen lässt, auch wenn der Weg dorthin zunächst noch nicht klar ist.

Nun bringt KI neue Möglichkeiten und neue Fragen mit sich. Ich nutze sie in meiner Arbeit, verstehe aber auch diejenigen, die vom ständigen Lernen müde geworden sind. Auch nach fast zwanzig Jahren kenne ich das Gefühl, wegen eines neuen Werkzeugs wieder überdenken zu müssen, was bisher selbstverständlich war.

Im nächsten Teil möchte ich darüber schreiben, wie wir unseren Platz in diesem Wandel finden können. Was ist unser bisheriges Wissen wert, und wie können wir KI als Hilfe nutzen, auch wenn sie uns zunächst eher verunsichert?

Thomas Peter Kemendi

Thomas Peter Kemendi

Seit fast zwanzig Jahren beschäftige ich mich mit Webentwicklung und digitalen Systemen. In diesen Beiträgen teile ich meine Arbeitsweise, die Überlegungen hinter technischen Entscheidungen und Erfahrungen mit technologischem Wandel.

Über mich

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